Der gelernte Wiener war diese Woche verblüfft: Als Innovation der Stadt wurde angekündigt, dass Duftstoffe in U-Bahnen getestet werden sollen. Wieso soll das neu sein? Das passiert doch schon lange. Das berühmteste Beispiel ist sicher die U1-Station Stephansplatz, in der seit Jahrzehnten das bewährte Eau de Speibe großzügig versprüht wird. Lange Zeit war auch auf Chanel Döner 5 in der U6 Verlass, aber das wurde bedauerlicherweise abgeschafft. Dort soll nun wahlweise Grapefruit, Moschus oder Melone zu riechen sein. Die verschiedenen Gerüche sollen erfrischen, beleben und für positive Stimmung sorgen.

Vielen geht das nicht weit genug. Was spricht dagegen, an wirklich heißen Tagen, an denen es in der U6 gefühlte 60 Grad hat, einen anständigen Aufguss zu machen? Denkbar wäre auch ein No-Deo-Detektor, der mit langen Greifarmen entsprechende olfaktorische Gefahrenquellen aus dem Zug entfernt. Es wäre auch möglich, jeder U-Bahn eine eigene Duftnote zu spendieren. Man könnte sich an den eingelernten Farben der Linien orientieren. Die lila U2 ist aufgelegt: die bekommt Lavendel. Die orange U3 könnte man mit Zitrusnoten ausstatten. Eher fraglich ist, wie die Fahrgäste der U6 die farbinspirierte Beduftung aufnehmen. Die U6 ist nämlich braun . . .

Einen Vorteil hat der Beduftungsvorstoß: Die U-Bahnen werden wahrscheinlich leerer sein. Und im Grunde gibt es ja nichts Übleres, als jemanden, der sich erdreistet, sich an einem heißen Tag neben einen zu setzen.