- © NIKOS PILOS
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Drei Rettungsprogramme, drei Premierminister geschasst oder abgewählt. Das ist die nüchterne innenpolitische Bilanz in Griechenland nach dem Beinahe-Staatsbankrott im Frühjahr 2010. Zuerst musste der Sozialdemokrat Georgios Papandreou vorzeitig den Hut nehmen. Dann schickten die Griechen den konservativen Antonis Samaras in die Wüste. Nun wählen die Hellenen den Linken Alexis Tsipras ab.

Dabei hatte es Tsipras anders als seine Vorgänger als erster Regierungschef geschafft, ein mit Hellas' öffentlichen Geldgebern vereinbartes Rettungsprogramm samt rigider Spar- und Reformauflagen auch abzuschließen. Seit dem 20. August 2018 hat sich das chronische Euro-Sorgenkind wieder von seinen ungeliebten Kreditgebern befreit. Theoretisch jedenfalls.

Doch das half Tsipras nicht. Er hat bei den Parlamentswahlen am Sonntag erwartungsgemäss eine krachende Niederlage kassiert - und muss in die Opposition.

Tsipras hatte beim Amtsbeginn vor viereinhalb Jahren versprochen, endlich die griechischen Oligarchen zur Kasse zu bitten sowie den grassierenden Klientelismus, die Vetternwirtschaft und Korruption des alten Polit-Establishments als die echten Übel zu bekämpfen, die Griechenland im Frühjahr 2010 beinahe in den Ruin getrieben hatten.

Er hielt nichts davon. Im Gegenteil. Tsipras installierte selbst ein eigenes System der Vetternwirtschaft, es gibt zumindest Indizien für Korruption in Tsipras' Umfeld, den Superreichen gewährte der selbsternannte "Oligarchen-Schreck" sogar Steuererleichterungen bis hin zu skandalösen Steuererlässen. Dafür schröpfte Tsipras die griechische Mittelschicht bis über die Schmerzgrenze, um den ärmsten Griechen Almosen zu geben.

Auch teure Last-Minute-Wahlgeschenke konnten Tsipras, der die Griechen retten wollte, nicht mehr retten. Der Volkstribun hat sein Volk verloren.

Nun muss der konservativ-liberale Kyriakos Mitsotakis ran. Fest steht: Hellas braucht bis auf Weiteres kein neues Rettungsprogramm. Damit der eher gemäßigte Mitsotakis aber nicht wie seine drei Vorgänger grandios scheitert, muss die mit den Geldgebern vereinbarte Zielvorgabe von 3,5 Prozent Haushaltsüberschüsse in Athen sinken. Sofort. Zwei Prozent sind genug.

Die Griechen brauchen Luft zum Atmen. Sonst droht zu Füßen der Akropolis nach dem unsäglichen Zwischenspiel Tsipras eine erneute Radikalisierung. Oder wie ein griechischer Spruch lautet: "Fovou tous Ellines!" ("Habt Angst vor den Griechen!") Zumindest gilt das für griechische Premiers. Gut ist das aber auch nicht für den Rest Europas.