An sich braucht man sich in Wien nicht über einen Mangel an Gastronomie zu sorgen. Sucht man allerdings Lokale mit Charme und Charakter, womöglich noch mit historischem Ambiente, wird die Luft schon recht dünn. Nun droht womöglich einem Edelstein der Wiener Gastronomie die Vernichtung:
der "Villa Aurora" auf dem Ottakringer Wilhelminenberg. Das beliebte Ausflugs- und Familienlokal ist seit März geschlossen. Ein lapidarer Zettel spricht von "Generalrenovierung". Das klingt ja nicht schlecht für das Haus, das immerhin aus dem Jahr 1786 stammt. Nun allerdings wurde das Areal in aller Stille verkauft. An eine Baugesellschaft, die sich in Ottakring bereits zuvor mit umstrittenen Großprojekten in die Nesseln gesetzt hat. Allerorten wird nun beschwichtigt, dass ein Abriss nicht in Frage komme. Auch der Verkäufer wünsche sich eine Weiterführung als Gastronomie. Doch wie realistisch ist das? Dass das Areal in bester Aussichtslage gekauft wurde, um dort weiter Schnitzel zu backen, fällt schwer zu glauben. Oder wird es ablaufen wie beim "Ottakringer Landhaus" oder beim "Sperl", wo in der Nacht die Bagger auffuhren und alles zerstörten - bevor die Baupolizei einschritt? Und man dann halt die Strafe in die Preise für die überteuerten Luxuswohnungen einrechnet? Wien muss sicherstellen, dass solche Plätze erhalten bleiben. Und jene, die glauben, mit Geld Fakten schaffen zu können, durch rigorose Verweigerung von Umwidmungen und Genehmigungen ahnden.
Das muss uns die Stadt wert sein.