Es ist wieder Tour de France und damit die Zeit, in der - die aktuellen, womöglich sauberen Fahrer dürfen sich bei früheren Generationen bedanken - in vielen Kreisen über dem Peloton ein Generalverdacht schwebt. Gleichzeitig kommen in schöner Regelmäßigkeit weitere Enthüllungen zum russischen Doping-Skandal, der den internationalen Sport seit Jahren nicht zur Ruhe kommen lässt, sowie zur Operation "Aderlass", die ihren Ausgang während der nordischen WM in Seefeld nahm und mittlerweile immer größere Kreise gezogen hat, ans Licht. Und seit Montagabend ist die Berichterstattung um einen Begriff reicher: die Operation "Viribus". Dabei hat die Polizei im Kampf gegen den Handel mit Dopingmitteln und gefälschten Medikamenten einen Erfolg gefeiert. 234 Personen wurden verhaftet und 3,8 Millionen Dopingpräparate sowie gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr gezogen, wie Europol verlautete. Die Operation wurde in 23 Ländern der EU sowie zehn anderen Ländern durchgeführt.

Laut der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) habe man 17 organisierten kriminellen Gruppen das Handwerk legen können. Laut Europol sei es die größte Operation in diesem Bereich aller Zeiten gewesen. Laut Polizeiangaben konnten neun Untergrund-Labors geschlossen und fast 24 Tonnen an Rohsteroidpulver sichergestellt werden. Es ist zweifellos ein wichtiger Etappensieg im Kampf gegen die international agierende Doping-Mafia - doch er zeigt auch, dass Sportler, die unter dem Druck von Sponsoren, Medien sowie Fans und unter dem Einfluss dubioser Geschäftemacher Verlockungen erliegen und Eigenverantwortung abgeben, am untersten Ende der Nahrungsergänzungsmittelkette stehen. Mit Sperren und mahnenden Worten wird der Kampf gegen Doping nicht zu gewinnen sein.