In der U3 riecht es. Und zwar riecht es übel. Es riecht süßlich, kratzig, stechend, es riecht nach Chemie, die versucht, nach Natur zu riechen.

Der Blick schweift. Wer könnte die Übeltäterin sein oder der Übeltäter, der im billigsten Parfüm überschüttet hat, das er im dm finden konnte?

Der männliche Lockenkopf vis-à-vis eher nicht, der wirkt zu alternativ für Billigduft.

Die junge Mutter da vorne? - Nein, diesen Geruch tut sie ihrem Kind nicht an.

Ha, gefunden: Die Frau auf dem Platz schräg gegenüber, die hat ein Billa-Sackerl, was verrät, wo sie das Zeug gekauft hat. Nein, der Geruch kommt nicht aus ihrer Richtung.

Der Mann ihr gegenüber, der den Kopf so tief in ein Gratisblatt taucht, dass nur sein gelglänzendes Schwarzhaar hervorlugt, riecht zwar auch nach Parfum, aber nach einem anderen, schwereren. Welch eine Mischung. Da schrammt man an der Atemnot entlang.

Halt! - Das ist es! Ja, stimmt: Die Wiener Linien führen ja in den U-Bahnlinien einen Kampf gegen Gerüche: Zuerst der Döner, dann die Pizza, dann alles Essbare, weil ja nichts ansatzweise so müffelt wie ein Apfel - und jetzt werden die U-Bahn-Garnituren parfümiert. Offenbar meint man, dass der sommerliche Odeur der Fahrgäste unzumutbar ist für die Waggons.

Bloß: Jeder Döner kommt einer französischen oder italienischen Kreation gegen diese U-Bahn-Bedüftelung gleich. Und überhaupt gilt: Manchmal stinkt Schweiß weniger als Parfum.