Der Brexit-Hardliner Boris Johnson übernimmt die Macht in London. Er will Großbritannien am 31. Oktober aus der EU führen - notfalls auch ohne Abkommen.

Für die Wissenschaft hätte ein "No Deal" desaströse Auswirkungen. Großbritannien bekäme auf einen Schlag keine Förderungen aus dem 100 Milliarden Euro schweren Forschungsprogramm "Horizon Europe", aus dem es derzeit mehr holt, als es einzahlt. Das Land würde 17 Prozent seiner Wissenschafter verlieren, da diese aus der EU stammen. Berufungen würden nahezu verunmöglicht, Forschungsreisen erschwert und die Zusammenarbeit an internationalen Forschungsprojekten bis aufs Äußerste strapaziert. Ein harter Brexit würde alle Säulen einer vernetzten, interdisziplinären Forschung in einer globalisierten Wirtschaft stürzen.

Kümmert es Boris? Im Wahlkampf widmete er der Forschung keine Aufmerksamkeit, somit scheint es naheliegend, dass er es auch in Westminster nicht tun wird. Gegen den Klimawandel tritt er nicht an, sondern er stellte sich gegen Klimaziele für Energiekonzerne. Johnson hat zwar angekündigt, bestqualifizierte Immigranten zuzulassen. Doch ob Top-Wissenschafter bei 9000 Euro pro Arbeitsvisum für Angehörige von Drittstaaten noch kommen wollen, ist fraglich. Wie ernst die Sorgen sind, zeigen neue Kooperationen: Um nicht isoliert zurückzufallen, haben Top-Unis wie Oxford und Cambridge ihre Zusammenarbeit mit den Universitäten Berlin und München vertieft, damit der Brexit am Ende nicht das Ende ihrer Spitzenposition bedeutet.