Es ist noch gar nicht lange her, da war man als Hitzesuderant in der Minderheit. Man war quasi Hitzesuderantvantgarde. Das war irgendwie noch lustiger. Der große Pionier in der Angelegenheit war ja der Eskimodichter Kobuk, der bei seiner Ankunft in Wien - Helmut Qualtinger sei Dank - der Stadt gleich ein klimatisches Zeugnis ausstellte: "Haaß is." Auch sehr schön, auch sehr heiß ist ein Klassiker der Wetterhumoristik: die legendäre "Beschwerde an die Hohe Warte". Da ruft ein hitzegeplagter Mann bei der Wetterstation an, um sich zu beklagen, dass der versprochene Starkregen auf sich warten lässt. "Zehn Minuten hots gregnt, und es ist genauso haaß wia vuaher." Der Mann stellt dann noch die Killerfrage: "Und mit so an Schaaß konn ma a Göd vadienan?", bevor er wiederum sehr höflich ersucht, dies an die Hohe Warte weiterzugeben.

Auf Twitter kann man dieser Tage die Weiterentwicklung dieses Anrufs beobachten. Es ist quasi so, als würde der "Mit so an Schaaß"-Anrufer im Gegenzug von der Hohen Warte angeblafft werden. Im Mittelpunkt der Eskalation steht der deutsche Wetterfachmann Jörg Kachelmann. Der hat offenkundig keine Lust auf Wetterhysterie und lässt das jeden, der über Rekordtemperaturen klagt, recht deutlich und mitunter grob wissen. Das führt zu denkwürdigen Dialogen, in denen Kachelmann von überhitzten Zeitgenossen abschließend in wunderbarem Widerspruch gefragt wird: "Bist du grenzdebil? Geht das nicht höflicher?" Kalt-warm, sozusagen.