Spott und Kritik trafen Herzogin Meghan, nachdem sie als Gast-Chefredakteurin das Cover der "Vogue" gestaltet hatte. Das widmete sich unter dem Titel "Kräfte des Wandels" Frauen, die in der Welt etwas bewegen. Alles schon da gewesen sagten die einen. Schwiegermama Elizabeth II fehle unter den 15 Frauen, die das Cover zieren, beklagten andere. Doch während sich die Welt den Kopf darüber zerbrach, was an der Titelseite alles falsch sei, ging ein Gesicht des Covers völlig unter: jenes von Ramla Ali. Sie ist britische Amateur-Boxmeisterin, stammt aber eigentlich aus Somalia. Als sie ein Kleinkind war, wurde ihr Bruder während des Bürgerkriegs in der Hauptstadt Mogadischu von einer Granate tödlich getroffen. Die Familie beschloss daraufhin, das Land zu fliehen. Über eine abenteuerliche Bootsfahrt gelangten sie ins benachbarte Kenia. Von dort führte sie der Weg irgendwann nach London. Mit der neuen Heimat kam auch eine neue Ernährung und die hinterließ sichtbare Spuren an Ali. Sie wurde fettleibig und wurde gehänselt. "Ich bin in eine Mädchenschule gegangen, die voller Asiatinnen und Inderinnen war. Die waren alle zierlich, da bin ich ziemlich hervorgesprungen", sagte sie der englischen Zeitung "The Guardian". Die Mutter schickte sie daraufhin in ein Fitness-Center. Dort entdeckte Ali dann den Boxsport für sich. Ihr Trainer war begeistert und förderte sie. Mit 18 Jahren hatte sie ihren ersten Kampf. Wobei Ali eigentlich nicht genau weiß, wie alt sie ist. Denn bei der Flucht hatte die Familie alles zurückgelassen. Offiziell ist Ali heute 28 Jahre alt. Ihre Passion hielt sie ihrer strikt muslimischen Familie gegenüber - der Vater ist Imam - allerdings geheim. Das war angesichts sichtbarer Spuren wie blauen Augen und Blessuren gar nicht so einfach. "Ich trage eigentlich kein Make-up, wenn ich es verwendet habe, war das dann noch verdächtiger", sagte sie dem "Olympicchannel". Trotzdem schaffte sie es lange, ein Doppelleben zu führen. Das wohl nicht zuletzt, weil sie neben ihrer Boxkarriere auch ein Jusstudium absolvierte. Erst als einer ihrer Brüder sie im Fernsehen sah, flog das Ganze auf. Die Mutter berief erzürnt den Familienrat ein und verlangte von Ali, sofort mit dem Boxen aufzuhören. Immerhin sei Boxen und das damit verbundene Zeigen von viel Haut unziemlich. Ali gelobte Besserung, boxte aber weiter. Die Familie und ihre Gemeinschaft akzeptierten das irgendwann. Heute unterrichtet sie Muslima in London in Boxen. Und obwohl inzwischen Britin, ist sie ihre ursprüngliche Heimat nach wie vor verbunden. Ali engagiert sich im somalischen Boxverband und könnte Somalia - so sie sich für Tokio 2020 qualifiziert - zum ersten Mal überhaupt zu einer Box-Teilnahme bei den Olympischen Spielen verhelfen.