Bernhard Baumgartner ist Redakteur im Kultur-Ressort der "Wiener Zeitung". - © WZ / Thomas Seifert
Bernhard Baumgartner ist Redakteur im Kultur-Ressort der "Wiener Zeitung". - © WZ / Thomas Seifert

Netflix hat bisher mehrfach die Grenzen dessen, was Fernsehserien können und dürfen, erweitert. Bis dahin undenkbare Stoffe wurden realisiert, Autoren mit Blankoschecks und freier Hand ausgestattet und Geschichten erzählt, die im klassischen Fernsehen im Leben keine Chance bekommen hätten. Nicht zuletzt deshalb sieht die Wissenschaft den Boom des Streamings als drittes goldenes Zeitalter der Seriengeschichte an. Dass bei diesem Anspruch auch einmal Serien dabei sind, die manche schon jenseits der roten Linie sehen, liegt auf der Hand. Man kann Grenzen nur erweitern, indem man sie überschreitet.

Dass die Serie "13 Reasons Why", die den Suizid einer Jugendlichen durchaus drastisch und in problematischer Weise inszeniert, auf Widerstand stößt, ist ein gutes Zeichen. Schließlich ist das Thema in den Medien nicht zu Unrecht ein Tabu. Der Widerstand (und Netflix’ Reaktion darauf) zeigt, dass die Selbstreinigungskräfte der Gesellschaft immer noch funktionieren und es immer noch nicht egal ist, was auf den Schirm kommt. Andererseits hat sicherlich auch die Sichtweise etwas für sich, dass man die schweren Probleme gemobbter Jugendlicher nicht thematisieren kann, ohne (durchaus drastisch) auf das mögliche Ende hinzuweisen. Tragische Folgen des Verhaltens der Täter gehen nicht davon weg, dass wir sie im TV nicht sehen wollen. Was Netflix zu Recht vorgeworfen wird, ist, Tat und Folgen zu "cool" inszeniert zu haben. Damit ist man über den eigenen Erfolg gestolpert.