Lee Duck-hee ist jetzt nicht der ganz große Name im Welttennis. Seit Dienstag aber kennt den Weltranglisten-212. zumindest ein Großteil der Tenniswelt. Beim US-Open-Vorbereitungsturnier in Winston-Salem schlug er in der ersten Runde den Schweizer Henri Laaksonen mit 7:6, 6:1 - und schrieb damit als erster Gehörloser, der jemals ein Spiel auf der ATP-Tour gewonnen hat, Geschichte.

"Die Leute haben aufgrund meiner Beeinträchtigung über mich gescherzt. Sie haben gesagt, ich soll nicht spielen. Meine Freunde und Familie haben mich dabei aber unterstützt. Ich wollte es allen beweisen, dass ich es schaffen kann", sagte er nach dem Sieg, nach dem auch Spieler wie der um sein Comeback kämpfende ehemalige Weltranglistenerste Andy Murray ihm Respekt zollten. "Es ist ein großer Nachteil, nichts zu hören. Das zu tun, was er macht, ist daher eine große Leistung", sagte der Brite. Dessen Bezwinger Tennys Sandren berichtete von einem Duell mit dem Südkoreaner vor ein paar Jahren. "Er kam nach dem Spiel mit einem Google-Übersetzer zu mir und sagte: Was sind meine Schwächen? Man lernt, wie der Gegner den Ball spielt, wenn man hört, wie er ihn trifft. Wenn man das nicht hört, muss man unglaubliches Können und Talent haben." Tatsächlich hat der 21-Jährige mit etlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, an die man sonst nicht einmal denkt. Er liest Lippen und stützt sich auf Handbewegungen der Schiedsrichter. Da er die Ankündigungen des Spielstands nicht hört, muss er insbesondere bei kleineren Turnieren ohne Anzeigetafeln am Spielfeldrand Punkte und Games im Kopf behalten. Dass er sich von den vielen Unkenrufen nicht von seinem Traum abhalten ließ, ist aber seine wohl größte Leistung. Insofern hat Lee Duck-hee vielleicht mehr Vorbildcharakter als viele andere hochbezahlte Sportler zusammen.