Es gab einmal einen Film mit dem Titel "Billy Elliott". Er spielte Mitte der 80er in Nordengland, im Bergbauarbeiter-Milieu. Der Sohn eines Arbeiters fand wenig Gefallen an seinem Boxtraining, dafür fühlte er sich umso stärker angezogen von den nebenan stattfindenden Ballettstunden. Dass das kein leichter Weg sein wird, versteht sich von selbst. Der Film bezieht einen Gutteil seiner Tragikomik auch aus der Erleichterung darüber, dass sich die Zeiten geändert haben. Dass man sich auch als Bub nicht genieren muss, wenn man zum Ballett will.

Aber haben sich die Zeiten geändert? Offenbar nicht: Als kürzlich Prinz William in einem Interview launig erzählte, dass sein Sohn George in der Schule unter anderem auch in Ballettstunden gehe, fand das eine US-Moderatorin Grund genug, Witze über diese Vorliebe zu reißen. Reife Leistung, einen Siebenjährigen vor Millionen Menschen lächerlich zu machen.

Das wollten professionelle Balletttänzer in New York nicht auf sich und auf George sitzen lassen. Und so organisierten sie zur Verteidigung ihres royalen Nachwuchsfans einen Flashmob auf der Straße vor dem TV-Studio, bei dem sie mit 300 Menschen allerlei Ballettfiguren vollführten. Auch Schilder mit dem Hashtag "MeTutu" wurden gesichtet. Eine moderne, aber auch rührende Geste, die gleichzeitig auch daran erinnerte, dass sich so viel in Sachen Mobbing gegen männliche Balletttänzer nicht geändert hat. Aber im Unterschied zu "Billy Elliott"-Zeiten gibt es nun solche kreativen Mittel des Protests.