Zugegeben, 1633 hatte man andere Sorgen. Zum Beispiel, nicht dem Schwarzen Tod zum Opfer zu fallen. Die Oberammergauer hatten diesbezüglich eine originelle Idee. Sie schworen, alle zehn Jahre die Geschichte der letzten Tage im Leben Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterbe. Angeblich war dies der Fall. Nun sind sie also dran, die Herrschaften. Alle zehn Jahre werden daher die Oberammergauer Passionsspielen aufgeführt. Das nächste Mal turnusmäßig 2020. Doch dabei gibt es heuer neue Wünsche. Denn dass der Heiland, wie schon in der Bibel nachzulesen, auf einem Esel einreitet, sei im Jahr 2020 aus Gründen des Tierschutzes nicht mehr statthaft, heißt es von entsprechenden Lobbyinggruppen. Vielmehr solle der Auferstandene, aus Gründen der Vorbildwirkung, lieber auf einem E-Scooter im Oberammergauschen Jerusalem einziehen. Schließlich sei ein erwachsener Christus-Darsteller für das Grautier viel zu schwer, erklärte die Organisation Peta: "Heutzutage würde Jesus nicht mehr auf einem Esel reisen. Er würde sich tier- und umweltfreundlichen auf einem Elektromobil fortbewegen", deponierte man beim Bürgermeister. Die Veranstalter teilten jedoch umgehend mit, dass die Sache mit dem E-Scooter "undenkbar" sei. Die Passionsspiele, übrigens mit 2400 Laiendarstellernein echtes Massenschauspiel, stünden schließlich in einem historischen Kontext, und da wäre ein Elektrofahrzeug völlig deplatziert. Und ein Elektro-Esel ist leider immer noch eine Marktlücke.