Die Niederlande sind für vieles berühmt: Tulpen, Käse, Häfen, liberale Drogenpolitik und die Malerei. Um Letztere ist nun ein heftiger Streit entbrannt. Denn das Historische Museum von Amsterdam wird den Begriff "Goldenes Zeitalter" für das 17. Jahrhundert nicht mehr verwenden. Dieser betone einseitig die niederländische Blütezeit und den nationalen Stolz, ignoriere aber negativen Seiten wie Armut, Krieg, Zwangsarbeit und Menschenhandel, so das Museum. Aus der Politik hieß es prompt: "Blanker Unsinn."

Mit dem "Goldenen Zeitalter" wird eine Blütezeit von rund hundert Jahren bezeichnet, in der die niederländische Republik militärisch und wirtschaftlich eine Weltmacht war. In der Kunstgeschichte prägten holländische Meister wie Rembrandt und Vermeer die Epoche. Daher hat das Amsterdamer Reichsmuseum mit einer großen Sammlung von Werken der berühmten Maler angekündigt, den Begriff weiter zu nutzen. Das ficht das Historische Museum nicht an, das den Begriff nun aus allen Druckwerken und Katalogen tilgen will.

Nun: Selbstredend ist das kritische Hinterfragen historischer Etiketten grundsätzlich zu begrüßen. Hektische Schnellschüsse, gepaart mit oberflächlichem Aktionismus, sind jedoch sicher nicht der ideale Weg, eine breite Reflexion und Debatte einzuleiten. Alleingänge und PR-Stunts ebenso. Man kann durchaus auf Vermeer stolz sein, ohne zu vergessen, dass die Lebensumstände in seiner Zeit vielfach desaströs waren.