Jetzt geschieht also, was drohend in der Luft lag und doch so unwahrscheinlich wirkte: Christian Thielemann wird von den Salzburger Osterfestspielen vertrieben. Ein Mann also, der zu den berühmtesten Dirigenten der Gegenwart zählt. Und dem das Festival viel zu verdanken hat: Als die Osterfestspiele nach einem Finanzskandal darniederlagen, war es Thielemann, der als weißer Ritter und Glamour-Retter einritt. Seine Strahlkraft ist bis heute im Großen Festspielhaus ungebrochen.

Die Gesellschafter der Osterfestspiele (Politik und private Geldgeber) scheint das aber eher kalt zu lassen, sie sind auf eine Strukturreform erpicht. Fort mit dem alten Karajan-Format, hin zu einem Update für das 21. Jahrhundert.

Das ist nicht ganz unverständlich - ein Festival, das innert einer Woche eine große Opernpremiere mit einigen Konzerten garniert, erscheint etwas angestaubt. Zudem, so heißt es, soll die Zahl der Sponsoren dahinschwinden.

Der Vollzug dieses Wandels wirkt dennoch stillos. Man hätte Thielemann und die Öffentlichkeit ja auch klipp und klar in Kenntnis setzen können, dass eine Radikalumkrempelung der Osterfestspiele geplant ist - und den Pult-Star entscheiden lassen, ob er unter diesen Umständen an Bord bleiben will. Stattdessen hat man Thielemann eine ebenso machtbewusste Führungsfigur gegenübergestellt und, so scheint’s jedenfalls, auf den allmählich einsetzenden Zermürbungseffekt gewartet. Ganz unabhängig von der Güte des kolportierten Zukunftskonzepts: Dies ist eines Prestige-Festivals unwürdig.