In vielen Sportarten ist es das Höchste der Gefühle: der Vergleich zwischen dem Team Europa und den USA beziehungsweise dem Rest der Welt. Für Dominic Thiem dagegen hat der Laver-Cup ab Freitag in Genf in erster Linie Aufbaucharakter. Sein Auftreten bei den US Open war eine Riesenenttäuschung, jenes im Daviscup durchwachsen. "Ich hätte gedacht, dass ich weiter bin", sagte er in Finnland, nachdem er als hoher Favorit je ein Spiel gewonnen und eines verloren hatte. Der Laver-Cup, an dem in beiden Teams angeführt von John McEnroe beziehungsweise Björn Borg je sechs Spieler, die zu den Besten ihrer Zunft gehören, antreten, kommt da gerade recht.

Etwas schwieriger wird es da schon mit den Planungen für die kommende Saison. Die Qualifikationsrunde im Daviscup fällt ungünstig nur eine Woche vor seiner geplanten Titelverteidigung in Indian Wells, bei jener in Kitzbühel wird er dasselbe Problem haben wie heuer kurz vor der nordamerikanischen Hartplatzsaison. Dass jetzt mit dem ATP-Cup, allerdings vor dem eigentlichen Beginn der Saison, ein neues Format dazukommt - dazu beigetragen haben auch die Machtkämpfe zwischen dem Weltverband ITF und der Herren- Profiorganisation ATP - macht die Sache nicht einfacher, zumal es in der DNA eines Sportlers liegt, immer, überall und alles gewinnen zu wollen. Oder? Immerhin sagt Thiem vor dem Laver-Cup: "Wenn ich so spiele wie am Wochenende, werde ich nicht viel gewinnen."

Nach Werbung in eigener Sache klingt das nicht. Manchmal kann aber ein bisschen Realismus durchaus helfen. Es muss eben nicht immer alles zum Höchsten der Gefühle stilisiert werden.