Dass man sich als Politiker einiges anhören muss, merkt man nicht nur in Wahlkampfzeiten. Auch wenn da die Hemmschwellen in den Sozialen Medien ganz besonders tief runterrasseln. Das Thema "Hass im Netz" ist ohnehin zu einem Dauerbrenner geworden - nicht nur für Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Am Donnerstag berichtete die entsprechende Beratungsstelle, dass seit ihrer Gründung vor zwei Jahren 3192 Fälle gemeldet wurden. Im zweiten Jahr ist die Zahl der Fälle sogar um 30 Prozent gestiegen. Fast die Hälfte der gemeldeten Vorfälle waren strafrechtlich relevant - dabei handelt es sich vorwiegend um den Verdacht der Verhetzung, Beleidigung und Verstößen gegen das Verbotsgesetz.

Vor diesem Hintergrund macht eine Meldung aus Deutschland nachdenklich. Dort hatte ein Facebook-User die Grüne Renate Künast derb beschimpft. Er hatte sie "ein Stück Scheiße", eine "Drecks Fotze", eine "Schlampe" und eine "Geisteskranke" genannt. Das Berliner Landgericht hat entschieden, dass sich Künast als Politikerin das gefallen lassen muss.

Diese Wertung mag einmal angemessen gewesen sein, aber die Zeiten haben sich geändert. Ein solches Urteil hat Vorbildwirkung: Wenn man Politikerinnen ungestraft so beschimpfen kann, warum sollte man nicht auch andere so beschimpfen. Es ist fahrlässig, wie mit so einer Entscheidung der Hemmungslosigkeit Tür und Tor noch weiter geöffnet wird. Aber: Kein Problem, wenn man in einer Welt leben will, in der "Drecks Fotze" zum normalen Umgangston gehört.