Empörter Aufschrei am Wochenende in der Wiener Ballettszene: Der designierte Chef des Wiener Staatsballetts, Martin Schläpfer, hat personelle Veränderungen vorgenommen und kolportierten 23 Tänzerinnen und einem Tänzer der 103-köpfigen Kompagnie schriftlich mitgeteilt, dass ihre Verträge für die Saison 2020/21 nicht verlängert werden. Skandalös, konnte man da hören. Nun ja, es klingt danach, ist es eigentlich aber nicht.

Einen Arbeitsvertrag zu verlieren, nicht zu wissen, wie man in einem Jahr seinen Lebensunterhalt berappen wird, ist ohne Zweifel beängstigend für die Betroffenen - egal ob Tänzer oder Büroangestellter. Schläpfers Vorgehensweise ist in der Tanz- und Schauspielwelt üblich und sogar vorprogrammiert, wenn sich - wie in diesem Fall - die Stile des amtierenden und des neuen Ballettchefs stark unterscheiden. Auch Burgtheater-Chef Martin Kuej veränderte massiv sein Ensemble.

Dem Staatsballett ist diese Vorgehensweise auch nicht fremd: 2005 schickte etwa der neue Chef der Kompagnie, Gyula Harangozó, fünf Publikumslieblinge ungewollt in Frühpension und verlängerte weitere zwölf Verträge nicht. Bekannt wurde dies erst im März der ab September startenden Saison. Zur Verteidigung Schläpfers muss nun gesagt werden, dass die Betroffenen nun eine ganze Saison Zeit haben, um Jobs in anderen Ensembles zu finden, die für sie vielleicht auch in künstlerischer Hinsicht passender sind. Denn Schläpfer ist bekannt für moderne, aber auf klassischer Technik basierende Inszenierungen.