Es ist so etwas wie die Höchststrafe für einen Trainer. Die violette Legende Herbert Prohaska legte Austria-Trainer Christian Ilzer nach dem 2:5-Cup-Desaster in Wattens mehr oder weniger unverhohlen den Rücktritt nahe. Auf das Faktum, dass die Austria-Führung fest zu ihrem Jungstartrainer a. D. hält, konterte der Austria-Jahrhundertspieler im ORF-Studio mit der rhetorischen Frage, ob Ilzer überhaupt, "wenn er das heute gesehen hat, bereit wäre weiterzumachen". Nachsatz: "Also ich wäre es nicht", so der Ex-Teamchef.

Der so Angesprochene denkt freilich nicht daran, vorzeitig die Segel zu streichen - schön blöd wäre er ja auch, seinen gut dotierten Vertrag (bis 2022!) von sich aus zu beenden. "Klar habe ich Lust dazu. Mit so etwas Unbefriedigendem, da muss man jetzt aufstehen, zusammenhelfen und das verändern", so Ilzer.

Klar ist, dass nur Sportvorstand Peter Stöger den Stab über Ilzer brechen kann - und der hat schon zuletzt im Interview mit der "Wiener Zeitung" verkündet: "Ich habe einen langen Atem." Allerdings auch gesagt (und nun wiederholt), dass nach den nächsten schweren Partien in Salzburg und gegen Sturm einmal abgerechnet werde. Und man möchte sich gar nicht ausmalen, was passiert, wenn die violette Truppe auch am Samstag gegen die Red-Bull-Tormaschine so inferior auftritt wie in Tirol. Dann kann es auch schnell vorbei sein mit dem langen Atem.

Denn bei aller Liebe und Treue zum Trainer, bei all den Fehlern der Vergangenheit und dem limitierten Transferbudget: Das Hauptproblem ist momentan, dass Einsatz, Kampfeswille und Mentalität der Mannschaft nicht Bundesliga-tauglich sind - und das ist sehr wohl ein Trainerproblem. Wer Rapids fast heldenhaften Abwehrkampf gegen Salzburg gesehen hat (1:2 n.V.), weiß, dass bei der Austria die Grundtugenden des Spiels nicht vorhanden sind. Und dagegen hilft kein langer Atem.