Die Österreichischen Medientage standen heuer unter einem erstaunlich fatalistischen Generalthema: "Die Stunde null". Also jene Stunde nach der Apokalypse, in der kein Stein auf dem anderen bleibt. Nun ja: Umfassende Sorgen mögen angesichts des Zustands der Medien im Allgemeinen ja durchaus berechtigt sein, von körperfressenden Zombies wird die Branche jedoch noch nicht heimgesucht. Problem dabei: Geschäftsmodelle, die auf Inseraten basieren, sind seit Jahren rückläufig, und neue Online-Vermarktungsformen vermögen den Abbau nicht wettzumachen. Gleichzeitig sind die Leser aufgrund der allumfassenden Gratis-Erwartungshaltung im Netz nahezu gar nicht mehr bereit, für Journalismus zu zahlen, sofern er keinen Mehrwert bietet. Zumindest online sind die meisten Versuche, Bezahlschranken zu etablieren, mehr oder weniger krachend gescheitert. Aufhorchen ließ Verlegerin Eva Dichand ("heute"): "Ich glaube nicht, dass man Journalismus, wie ihn ‚Standard‘, ‚Presse‘ oder ‚Krone‘ macht, mit Paid Content auf diesem Niveau halten können wird." Es werde staatliche Förderungen in "ganz hohem Ausmaß" brauchen. Dass diese Forderung von einer Boulevard-Verlegerin kommt, macht sie nicht falsch. Der Staat wird sich die Frage stellen müssen, ob er weiter zusieht, wie seriöser, demokratisch notwendiger Journalismus in ganz kurzer Zeit stirbt. Oder ob man diese lebensnotwendige Dienstleistung im Sinne des Funktionierens der Demokratie finanziert.