Nun ist es amtlich: Österreich ist seit Freitag Mitglied der bisher selten in Erscheinung getretenen Organisation "Balkan Athletics", einem Zusammenschluss mehr oder weniger leichtathletikaffiner Nationen aus Südosteuropa, dem Balkan eben. Dass hier ein Land wie Österreich künftig mitmischt und bei Balkan-Meisterschaften teilnehmen soll, ist auf den ersten Blick überraschend, zumal die Masse an Österreichern, die sich selbst als Bewohner des Balkans bezeichnen würde, wohl als eher klein angenommen werden muss. Wie sagte nicht Metternich: "Der Balkan fängt am Rennweg an!"

Geographisch betrachtet ist die Aussage des alten Staatskanzlers freilich Unfug, ist doch die Grenze zwischen Mitteleuropa und dem Balkan nicht vor Wien, sondern entlang der Flüsse Donau und Drau zu suchen. Was wiederum bedeutet, dass - und das mag den einen oder anderen überraschen - Ungarn oder Rumänien kaum Teil des Balkans sind, die Gebiete Südkärntens aber sehr wohl. So gesehen hat die Mitgliedschaft Österreichs bei "Balkan Athletics" tatsächlich eine Berechtigung - auch allein schon aufgrund der Tatsache, dass Österreich seit der Kaiserzeit immer schon politisch, kulturell und ethnisch mit dem Balkan eng verbunden war. Die verschiedenen Völker der Region über den Sport wieder mehr zusammenzuführen, dürfte daher auch ein Motiv des heimischen Aufnahmeantrags gewesen sein, was grundsätzlich löblich ist.

Andererseits ist es auch wieder wurscht, zumal es die "Balkan Athletics"-Organisatoren selbst mit der Herkunft ihrer Mitglieder nicht so genau nehmen, wie die Beispiele San Marino, Ukraine oder Israel beweisen. Die Moral von der Geschichte? Österreich ist balkanischer als gedacht.