Im Grunde genommen wird der Mehrkampf öffentlich unterm Wert geschlagen. Muss wirklich erst eine Athletin wie Verena Preiner bei einer WM Bronze für Österreich holen, damit man auf das, was diese Sportlerinnen und Sportler in Fünf-, Sieben- oder Zehnkampf leisten, aufmerksam wird? Immerhin sind das alles echte Allrounder, die nicht wie die breite Masse bloß eine einzige Sportart beherrschen müssen (und dafür täglich trainieren).

Man fühlt sich an das Gesudere rund um die bisweilen ungeliebte alpine Kombination im Skisport erinnert, die immer dann erst breite Zustimmung und -neigung erfährt, wenn einer der unseren eine Medaille holt. Zuletzt war dieses Phänomen bei der WM im Februar in Aare zu beobachten: Kaum hatte Bronze-Sieger Marco Schwarz abgeschwungen, kriegte sich der Kombi-Skeptiker Peter Schröcksnadel plötzlich fast nicht mehr ein vor lauter Lob.

Nun wird der Mehrkampf gewiss nicht so rasch als Disziplin von den internationalen Bewerblisten gestrichen werden, zählt er doch - ausgehend vom Pentathlon in der Antike - zu den härtesten und ältesten Bewerben der Welt. Nicht umsonst galten Springen, Laufen, Ringen, Diskus- und Speerwurf einst als militärische Kategorien. Dass bei den Frauen, für die erst vor 38 Jahren der Siebenkampf eingeführt wurde, die Suppe nicht so heiß gegessen wird, soll deren Leistung nicht schmälern: Wer sich befähigt fühlt, binnen zwei Tagen Höchstleistungen in 100-Meter-Hürden, Hochsprung, 200- und 800-Meter-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung und Speerwurf zu liefern, der trete bitte vor. Verena Preiner ist das gelungen, ebenso oftmals zuvor der nun verletzten Ivona Dadic. Gute Besserung!