Jetzt ist also auch Jürgen Klinsmann in die Riege der Katar-Botschafter eingetreten. Er denke, "die WM wird ein Erlebnis der Extraklasse", sagte er am Montagabend bei einem Spiel deutscher gegen italienische Fußball-Legenden (3:3) in Fürth. Er sprach dabei über die 2022 anstehenden Titelkämpfe im Fußball, nicht über die soeben (für Österreich mit den beiden Bronzemedaillen für Lukas Weißhaidinger und Verena Preiner äußerst erfolgreich) zu Ende gegangenen in der Leichtathletik.

Wäre er nämlich dort gewesen, hätte er von Erlebnissen der anderen Sorte berichten können: von in der Hitze kollabierten Athleten trotz Terminansetzungen mitten in der Nacht, von Klimaschocks wegen des Temperaturunterschieds im gekühlten Stadion und außerhalb davon, von leeren Tribünen und Pannen bei Siegerehrungen - ganz zu schweigen vom Schatten der Menschenrechtsverletzungen, Korruptions- und Dopingvorwürfe. Freilich, erstens war nicht alles schlecht und zweitens wird die Fußball-WM unter gänzlich anderen Voraussetzungen stattfinden. Ein Sommermärchen, wie es Klinsmann 2006 als deutscher Teamchef im eigenen Land erlebte, wird es sowieso nicht geben, weil die WM schließlich im Winter stattfindet.

Und der Sport braucht halt neue Märkte - und Katar im Zuge seiner "Vision 2030" ein bisschen Aufmerksamkeit, um sich als moderne Tourismusdestination zu präsentieren und von den Bodenschätzen unabhängiger zu machen. So gesehen ist es freilich eine Win-win-Situation - solange man die ausgebeuteten Gastarbeiter und die Fans aus aller Welt, die Probleme mit Anreise und Unterbringung befürchten, ausblendet. Es ist aber auch kein Wunder, dass Klinsmann dort andere Erlebnisse haben wird. In den Logen wird es sicher gemütlich sein.