Der Stadt-Rechnungshof hat die vergangenen drei Spielzeiten des Volkstheaters geprüft. Das Ergebnis ist dramatisch, an allen Ecken und Enden ortet der Rechnungshof Reformbedarf. Da ist sicher etwas dran. Gewiss gibt es Spielraum für Einsparungen. Aber Vorsicht ist schon angebracht. Controlling-Instrumente wurden für gewinnorientierte Unternehmen entwickelt, die sich über Kennzahlen leiten lassen. Aber wie beziffert man einen künstlerischen Auftrag? Welchen Deckungsgrad spricht man einer Uraufführung zu? Die Gefahr besteht, dass man an falscher Stelle zu sparen beginnt, nämlich beim künstlerischen Angebot. Das wäre fatal.

Das Volkstheater hat es gut, es kann von den jüngsten Sanierungsfällen im Schauspielbereich lernen. Das Theater in der Josefstadt, heute wirtschaftliche Vorzeigebühne, schlitterte im Jahr 2000 in eine veritable Finanzkrise und das Burgtheater musste 2013 einen Schuldenberg abtragen. Beide Bühnen kamen gestärkt aus der Krise hervor. Wie ist das gelungen? Einsparungen wurden gleichmäßig auf das Haus verteilt, wodurch es den Mitarbeitern leichter fiel, den Sparkurs solidarisch mitzutragen, und Einnahmen wurden gesteigert.

Das bringt einen zu der Zahl, die einen in der gesamten Volkstheater-Finanzdebatte am meisten betrübt: die Auslastung. Im Prüfungszeitraum sackte diese auf 56 Prozent. Hier wurde bereits die Reißleine gezogen: Anna Badora scheidet aus freien Stücken nach nur einer Amtszeit als Intendantin aus, ab 2020/21 tritt Kay Voges ihre Nachfolge an.