Hexenkessel, volles Haus, zwölfter Mann: Die Hoffnungen waren groß, dass die österreichische Nationalmannschaft nach den jüngsten Leistungen am Donnerstag gegen Israel von knapp 50.000 Fans zum Sieg gepeitscht wird. Allerdings werden, wenn es gut geht, lediglich 30.000 Fans in den Prater pilgern. Der elfeinhalbte Mann sozusagen.

Gründe dafür gibt es viele, sportlicher Natur sind sie jedenfalls nicht. Da wäre einmal der Donnerstagabend-Termin, der ungünstigste aller möglichen. 20.45 Uhr Anpfiff macht einen Matchbesuch bei Familien mit Pflichtschulkindern unmöglich - allerdings wäre ein Beginn um 18 Uhr wiederum für Fans aus den Bundesländern suboptimal. So oder so kann sich der ÖFB den Termin durch die zentrale Vermarktung und die Gruppenstaffelung nicht mehr aussuchen. Samstagabend wäre sonst natürlich zu bevorzugen - so wie vor drei Jahren, als an einem nebeligen Novemberabend das "Ausverkauft"-Schild ausgehängt worden war. Der Gegner in der WM-Qualifikation hieß damals Irland - womit es auch nicht am Gegner liegen kann. Viel mehr dann schon an der momentanen Übersättigung der rot-weiß-roten Fans, die auf europäischer Ebene dank der Erfolge von Salzburg, Lask und WAC auf ihre Kosten kommen. Alle spielten übrigens in wesentlich attraktiveren Stadien als nun die ÖFB-Elf.

Womit wir wieder bei der leidigen Nationalstadion-Frage wäre. Oder wie es ÖFB-Boss Leo Windtner formulierte: "Wer steht schon gerne in der Kurve, wenn er gefühlt 200 Meter vom Feld entfernt ist?" Dass Österreich hier just zu einer Zeit den Anschluss verpasst hat, als es sportlich Richtung europäische Spitze tendiert, sollte am Donnerstag allen Politikern auf den Rängen zu denken geben. Oder dann am 16. November gegen Nordmazedonien. Denn gelingen nun zwei Siege, ist das Happel-Oval zur möglichen Qualifikationsparty sicher wieder ausverkauft. Ein Hexenkessel mit zwölftem Mann.