Binomische Formeln schon um 8.00 Uhr Früh? "Logisch" wolle sie das nicht, sagt die 14-jährige Corinna. Auch Erörterungen von Peter Handkes Erzählungen schrieben sich in der Früh nicht eben leichter als am Vormittag. "Mir ist es egal, wie lange die Schule dauert, Hauptsache, sie beginnt später", klagt die Gymnasiastin ihr Leid. Mit dem sie nicht alleine ist. Unter dem Titel "Das Grauen des frühen Schulbeginns" berichtet die Deutsche Presse Agentur, dass Schüler später starten wollen. Experten bestätigen: Der strikte Schulbeginn um 8.00 Uhr sei vor allem für Jugendliche zu früh. Insbesondere Teenager "werden abends später müde und brauchen morgens länger Schlaf, um den Schlafbedarf zu decken", sagt Alfred Wiater von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung.

Auch Medizin-Nobelpreisträger 2017, Michael Young, würde die Schüler länger schlafen lassen. "Es gibt genug Evidenz, dass nicht alle Kinder um diese Uhrzeit so leistungsfähig sind, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Ich sehe keinen Grund, warum sie so früh in der Schule sein müssen", betont er. Die Lehrerverbände wollen allerdings keine Mittagsversorgung anbieten und keine Schulstunde nach der Mittagspause unterbringen. Ob organisatorische Strukturen Grund genug sind, um junge Menschen verfrüht aus den Betten zu jagen, mag bezweifelt werden. In einem Schulversuch im US-Staat Seattle verbesserte ein späterer Start die Schulleistungen und senkte die Fehlzeiten. Die heimische Schulpolitik sollte sich die Evidenz zu Herzen nehmen.