Gian Franco Kasper, immerhin seit mehr als 20 Jahren Chef des internationalen Skiverbandes FIS, bekommt man öfter zu Gesicht. Wenn er sich nicht gerade zum Präsidenten wiederwählen lässt, gibt er bei WM und Olympia gern den Preiseverleiher. Ansonsten ziehen der 75-Jährige und sein Vorstand auch ganz gern die Ruhe des FIS-Hauptquartiers bei Bern dem Lärmen des Skizirkus’ vor.

Dabei sind es weniger die Rufe und Kuhglocken der Fans an den Pisten, die dem FIS-Boss in den Ohren klingen, sondern die seit Jahren anhaltenden Proteste von Athleten, Trainern und Experten. Die Vorwürfe sind bekannt: Von zu vielen Rennen (44 Herren- und 41 Damen-Einzelrennen allein heuer), zu wenig Mitspracherecht (von Athleten und Fabrikanten), zu strenge Verbandsreglements (bei Vertragsabschlüssen) sowie mangelnder Fairness (Verteilung der Speed- und Technikbewerbe) ist die Rede. "Das Problem ist, dass die FIS beratungsresistent ist", tobte erst am Montag wieder Ex-Rennläufer Hans Knauß im TV.

Nun, man kann ihm das nicht verübeln. Ob sich allerdings die FIS davon beeindrucken lassen wird, ist zu bezweifeln. Sie sitzt nicht nur kraft des Statuts, das nun einmal dem Präsidenten und dem Vorstand die meiste Macht sichert, am längeren Ast, sondern auch dank der 130 nationalen Mitgliederverbände im Kongress (wenn auch diese für sich wenig mitzureden haben). Einer, der dagegen helfen könnte, wäre noch ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel, seines Zeichens immerhin FIS-Vorstandsmitglied. Aber der will (oder kann) nicht. Etwas anderes wäre es freilich, wenn auf einmal das Geld ausbleiben würde. Dazu würde es aber so etwas wie einen Athletenstreik brauchen. Klingt verrückt, aber warum nicht?