Was ist schon eine Robinie, frage ich Sie, sehr geehrte Damen und Herren von der "Baum des Jahres - Dr. Silvius Wodarz Stiftung". Wie können Sie nur eine Robinie zum Baum des Jahres wählen? Ausgerechnet eine Robinie, meine ich. Ich fange an, an der Gerechtigkeit zu zweifeln.

Ist Ihnen klar, dass die Robinie unter uns einen schlechten Ruf hat, weil sie eine invasive Art ist? Reden Sie doch einmal mit dem Kalkmagerrasen über die Robinie. Das wird Ihnen die Augen öffnen.

Aber auf Gras hören Sie wohl nicht, oder?

Bei Ihnen muss ja alles holzig sein. Was ich übrigens für eine reichlich hölzerne Vorgangsweise halte, aber das nur am Rande.

Ausgerechnet eine Robinie. . .

Da kommt man schon einmal auf die Idee, Kleinholz zu machen aus den ganzen Bäumen, Vögeln und Fischen des Jahres. Was kommt als Nächstes? Der Lurch des Jahres? Der Stein des Jahres?

Aber man braucht sich ja nur anzuschauen, welche verholzten Sachen Sie in den letzten Jahren gekürt haben: die Flatter-Ulme. Die Ess-Kastanie. Und sogar den Baum-Proleten, nämlich die Gemeine Fichte. Fehlt nur die Rosskastanie, dann hätten Sie auch noch des letzten Rindensandlers gedacht.

Und heuer die Robinie. . .! Wie kann man nur, frage ich Sie. Wenn es wenigstens der Affenbrotbaum wäre oder der Küstenmammutbaum.

Wenn es schon so ein Holzgewächs sein muss.

An unsereinen denken Sie wohl nur, wenn’s wehtut, was?

Grußlos, Ihre Brennessel