Wer nach der Formel-1-Saison 2008 prophezeit hätte, dass Lewis Hamilton - damals gerade zum ersten Mal Weltmeister geworden - einmal 6 WM-Titel, 83 Siege und 101 Stockerlplätze einfahren würde, er wäre wohl noch milde belächelt worden. Immerhin blieb das Rennen um den Titel vor elf Jahren bis zum letzten Grand Prix (in Brasilien) sehr spannend. Es hätte ja genauso gut auch Felipe Massa im Ferrari die WM holen können - und das noch dazu vor heimischem Publikum. Dass ihm Hamilton aber diesen Triumph dann doch noch mit nur einem Punkt Vorsprung wegschnappte, war für den Brasilianer natürlich bitter, aber nicht gleichbedeutend damit, dass der damals 23-jährige McLaren-Newcomer aus England automatisch Michael Schumachers Erbe angetreten hätte.

Tatsächlich blieb die fulminante Saison von 2008 für einige Zeit die einzige, die Hamilton für sich entscheiden konnte. Mehr als ein vierter WM-Rang war danach nie drin - bis er 2013 zu Mercedes wechselte und sich dort binnen acht Jahren gleich sechs Mal zum Weltmeister krönen konnte. Ein Zufall ist dies kaum und zeigt, dass ein gutes Auto fast jeden Piloten zum Sieg tragen kann. Ob man Weltmeister wird, ist heute nicht nur eine Frage von Kunst, Fitness und Motor, sondern vor allem des Timings. Hamiltons Wechsel erfolgte mit Blick auf die regulative Großwetterlage ebenso günstig wie jener von Sebastian Vettel 2009 zu Red Bull. Auch hier gingen sämtliche WM-Titel zwischen 2010 und 2013 an den Deutschen. Gestoppt wurde er durch ein neues FIA-Reglement, Stichwort Turbomotoren.

Nichts anderes blüht auch Hamilton. Bis die neuen Regeln in Kraft treten, wird sich der siebente Titel - und damit die Einstellung von Schumachers Rekord - 2020 aber noch ausgehen. Das Timing passt also - noch. So gesehen war Hamiltons WM-Sieg 2008 dann doch der beste seiner Karriere.