Es war wohl nicht das 2:1 über Genk in Salzburgs Champions-League-Gruppe E, das den Trainer des FC Liverpool milde stimmte. Viel eher dürfte der sanfte Druck der Fifa und der English Football League - kurz: des Geschäfts - ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Jürgen Klopp nun doch in etwas einwilligte, das ihm vor einer Woche noch inakzeptabel erschien. Weil die Reds nämlich in derselben Woche im Liga-Cup-Viertelfinale gegen Aston Villa spielen sollen, in der sie als Champions-League-Sieger bei der Fifa-Klub-WM in Katar antreten sollen, hatte ihr Coach rot gesehen und einen Boykott des nationalen Bewerbs in Betracht gezogen.

Nun aber spielen sie doch. Man werde zwei unterschiedliche Teams aufs Feld schicken, man wisse zwar noch nicht, wie, "aber die Alternativen hätten mehr Probleme als Lösungen gebracht", sagt Klopp - und verhehlt nicht, dass man schließlich weder mit der einen noch der anderen Institution Probleme wolle. Nun ist der Kader Liverpools groß genug, um zwei schlagkräftige Truppen in zwei Bewerben an zwei Orten stellen zu können. Ob sich Klopp so aufteilen kann, dass er bei beiden an der Seitenlinie steht, ist zwar fraglich, aber auch dafür wird es eine Lösung geben. Schließlich hatte er ja auch kein Problem damit, binnen einer Woche zwei konträre Meinungen ("Boykott" vs "noch die bestmögliche Lösung") zu vertreten. Das Problem aber, dass die unterschiedlichen Interessen und die Vielzahl der Bewerbe den Fußball nicht nur beleben, sondern er Gefahr läuft, sich kaputt zu spielen, bleibt aber. Es wäre Zeit, dass die Verantwortlichen dafür ebenso schnell eine Lösung finden, wie sie schäumende Trainer von ohnehin privilegierten Klubs milde stimmen können.