Die öffentlichen Konsequenzen haben längst stattgefunden: Gustav Kuhn, Gründervater der Festspiele Erl, ist 2018 vom Intendanten-Thron gestürzt. Zu schwerwiegend waren die MeToo-Vorwürfe gegen ihn, zu profund wirkten die Anschuldigungen: Fünf Anklägerinnen traten unter vollem Namen auf, sprachen von Machtmissbrauch bis hin zu Grapschern unter die Gürtellinie.

An dieser Stelle bewerten die "Wiener Zeitung"-Klassikexperten Edwin Baumgartner und Christoph Irrgeher wöchentlich und alternierend Neues vom Plattenmarkt.
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Die Causa ist aber noch nicht ganz gegessen: Laut einem "ZiB2"-Bericht ist die Gleichbehandlungskommission nun zu dem Schluss gelangt, dass die Frauen glaubwürdig wirken - nicht aber Kuhn, der die Vorwürfe weiter bestreitet.

So lange sich die Affäre nun schon hinzieht: Es ist erfreulich, dass ein MeToo-Fall ausnahmsweise nicht nur krawallmedial verhandelt wird, sondern auch von Behörden. Bedauerlich ist aber eine neue Facette. Am Freitag haben die Anklägerinnen von Erl eine Entschuldigung verlangt: Die Festspiele hätten Kuhns Verhalten geduldet, zudem seien die fünf Frauen für ihren offenen Brief vom Juli 2018 diffamiert worden. Beate Palfrader, Landesrätin und Teil des Stiftungsvorstands, weist die Bitte zurück: "Entschuldigen muss sich der, der es getan hat"; sie habe prompt reagiert und könne nur bedauern, was den Frauen geschah. Eine traurige Entscheidung. Zwar lässt sich kaum belegen, wie viel der Vorstand wusste. Er könnte aber zumindest für mangelndes Feingefühl Abbitte leisten. Wie witzelte Festivalpräsident Hans Peter Haselsteiner noch kurz vor Erscheinen des Briefes? "Wein, Weib und Gesang ist etwas, was wir gut nachvollziehen können."