"Europa, wir kommen!", heißt es nun also für Österreichs Nationalteam. Und hoffentlich nicht: "Baku, wir kommen!" Denn wenn es ein Horrorlos für die Auslosung am 30.November gibt, dann betrifft das diesmal keine konkreten Gegner, sondern einen Spielort - zumal in Gruppe A neben dem fast 3000 Kilometer entfernten Baku auch Rom warten würde. Vieles ist diesmal anders in der ersten (und wohl einzigen) Kontinental-EM mit zwölf Austragungsstätten und echtem Vorrundenheimrecht für Deutschland, England, Spanien, Niederlande, Russland und Italien. Nicht nur deshalb wird nun, wo das Gros der Fußballfans der Situation gewahr wird, heftig geschimpft - vor allem auf den Erfinder dieser EM, Ex-Uefa-Boss Michel Platini.

Vergessen wird dabei, warum die mittlerweile von der Korruptionssperre befreite Kickerlegende auf diese Idee kam. Es war nicht nur das 60-Jahre-EM-Jubiläum, sondern weil das Turnier (mangels Konkurrenz) andernfalls in der Türkei stattgefunden hätte. Man will sich gar nicht vorstellen, welche Nationalismusfestspiele unter Recep Tayyip Erdogan dort stattgefunden hätten - nebst dem Kriegsschauplatz Syrien. Zumal die aktuelle Uefa-Führung nicht in der Lage war, die Erdogan treu ergebenen Angriffskrieg-Salutierer im Nationaldress fristgerecht - also vor dem Qualifikationsfinale - zu sanktionieren. Bei Bulgarien, Rumänien, Ungarn und der Slowakei war man hingegen (wegen degoutanten Fan-Verhaltens) nicht zimperlich und bestrafte hart.

So gesehen kann man Platini nur gratulieren. Und mit Kritik aus Österreich sollte man sowieso vorsichtig sein: Während Budapest und Bukarest mit modernen Stadien Teil der Euro 2020 sind, konnte sich Wien peinlicherweise nicht einmal bewerben. Sonst hieße es jetzt: "Wien, wir bleiben!"