Zum Gastkommentar von
Fritz Edlinger, 13. November

Kritik an Israel und
der Antisemitismus

In einem Gastkommentar kritisiert Fritz Edlinger einen Text des ehemaligen österreichischen Botschafters in Israel, in dem dieser die bilateralen Beziehungen der beiden Länder "herzlich wie noch nie" nannte. Edlingers Einlassungen sind verstörend. Man sollte meinen, herzliche Beziehungen zwischen Österreich und Israel seien für unser Land ein Gebot von Verantwortung, Anstand und Vernunft. Wer sie als Freundschaft zur "israelischen Ultrarechtsregierung" diskreditiert, offenbart seine Agenda.

Natürlich ist die Anerkennung West-Jerusalems als Hauptstadt Israels nicht völkerrechtswidrig. Gaza ist auch nicht "hermetisch abgeriegelt", sondern wird von Israel versorgt - nur nicht mit Gütern, die man für terroristische Angriffe nutzen kann. Abgesehen davon hat der Gazastreifen auch eine Grenze zu Ägypten. Die 20 Prozent der Bürger Israels, die Palästinenser sind, leben nicht in Gaza oder im Westjordanland, sondern in Israel als freie Bürger mit gleichen Rechten und Pflichten, während all jene Palästinenser in den Autonomiegebieten, die nicht Teil der korrupten Eliten sind, unter Diktaturen zu leiden haben.

Aus Gaza wurden heuer tausende Raketen auf Israel abgefeuert, Feuerdrachen haben riesige Landwirtschaftsflächen abgefackelt. 15 Sekunden hat man Zeit, bei einem Alarm einen Schutzraum aufzusuchen. Vor wenigen Monaten habe ich mit israelischen Müttern an der Grenze gesprochen, die ihre vom Dauerbeschuss traumatisierten Kinder trotzdem Frieden, Versöhnung und Verständnis lehren. Wer die Verurteilung des fortdauernden Terrors "geifern" nennt, hat entweder keine Ahnung, keinen Anstand oder kein Herz - oder nichts davon.

Was treibt jemanden dazu, den Staat der Juden dermaßen obsessiv zu verleumden? "Der Antisemitismus ist das Gerücht über Juden", heißt es in Theodor W. Adornos "Minima Moralia" von 1951. Der Antisemitismus des 21. Jahrhunderts ist das Gerücht über Israel. Edlinger streut das Gerücht über Israel seit Jahrzehnten.

Israel ist Schutzmacht und Zufluchtsort für alle Juden in der Welt. Dass immer mehr Juden nach Israel auswandern, weil sie in Europa nicht mehr sicher sind, ist beschämend genug. Wer die Existenz Israels als jüdischen Staat zur Disposition stellt, stellt die Existenz aller Juden dieser Welt zur Disposition. Trotzdem nennt man das hierzulande nicht "Antisemitismus", sondern "Israel-Kritik". Halten wir also fest: Fritz Edlinger ist kein Antisemit. Er macht nur Gebrauch von seinem Recht auf Israel-Kritik. So wie ich von meinem Recht auf Edlinger-Kritik.

Thomas M. Eppinger,

Herausgeber von "Mena-Watch"

Unfaires Verhältnis
von Israel zu Palästina

Israel hält das Westjordanland seit Jahrzehnten besetzt und ist, zusammen mit US-Präsident Donald Trump, auf dem besten Weg, ganz Palästina von den Landkarten zu löschen. In den 1970er Jahren, als wir Ephraim Kishon ("Pardon, wir haben gewonnen") verehrten, nach dem Sechs-Tage-Krieg (1967), wurde der Mythos "David gegen Goliath" geboren. Doch wer ist jetzt Goliath, wenn die Atommacht Israel mit Bomben und Panzern gegen palästinensische Steinewerfer vorgeht?

2019 kündigt Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Annexion des Jordantals an. Die EU ist besorgt. Als Günter Grass in seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" die israelischen Atomwaffen kritisierte, wurde ihm von der Mehrheit der deutschen Medien Antisemitismus vorgeworfen. In Israel wurde er zur Persona non grata erklärt und erhielt ein lebenslanges Einreiseverbot. Insofern darf ich gespannt sein, was nun auf mich zukommt.

Michael Pand,

per E-Mail