Wenn am Montag das Ergebnis der Präsidentenwahl bei Rapid publiziert wird, wird es stark auf den Abstand ankommen, mit dem der Sieger den Unterlegenen überflügelt haben wird. Geht es da nur um wenige Prozentpunkte, könnte die Angelegenheit rasch haarig werden und den Verein zusätzlich polarisieren. Man kann sich die kommenden Vorwürfe ausmalen - vor allem gesetzt den Fall, dass nicht "Herausforderer" Roland Schmid, sondern Rapids Finanzchef Martin Bruckner die vom scheidenden Chef Michael Krammer zur Kampfabstimmung stilisierte Wahl gewinnen sollte.

Eines vorweg: Eine Debatte, ob denn "die Richtung gestimmt" hat oder nicht, wie sie zuletzt bei der (beiden Kandidaten übrigens nicht abgeneigten) SPÖ nach der Nationalratswahl entflammt ist, wird es hier wohl nicht geben. Schließlich ging es ja auch beim jüngsten Präsidentenwahlkampf weniger um die vorgestellten Programme und Ideen als um Taktik und Fouls (was im Fußball nichts Neues ist).

Jedenfalls wird sich Schmid, der eine Allianz mit Robert Grüneis gebildet hat, ziemlich leichttun, sich als Opfer einer Kampagne zu präsentieren: Zum einen, weil versucht wurde, den Mitgliedern mit dem Fingerzeig auf Schmids Unterstützer und neuerdings Stadt-Wien-Gottseibeiuns Michael Tojner, gegen den wegen eines Immobiliendeals im Burgenland ermittelt wird, Angst zu machen. Und zum anderen, weil sich die Ultras, Rapids maßgeblichste Fangruppe, offen für Bruckner ausgesprochen haben. "Die Ultras sollten keine Empfehlung abgeben. Sie sind ein unabhängiger Verein", klagte Schmid kürzlich.

Da hat er nicht unrecht, nur viel helfen wird es ihm nicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Wahl durch die "Causa Tojner" und die Ultras entschieden wird. Ob das für Rapid gut wäre? Nun, Tojner nicht als Geldgeber zu haben, ist gewiss kein Beinbruch. Aber die Ultras als Königsmacher im Nacken, schon. Ein Spaß wäre das für Bruckner nicht.