Auch wenn es unfair, inflationär oder auch nur nervig sein sollte: Dass Marcel Hirscher dem alpinen Skiweltcup fehlt, wurde erstmals so richtig an diesem Novembersonntag beim Slalom in Levi offensichtlich. Es mag zwar die aktuelle Carver-Generation massiv stören (so wie das einst bei Hermann Maier auch war), immer auf ihren Ex-Kollegen angesprochen und an ihm gemessen zu werden, aber bei einem Giganten des Schnees ist das halt unvermeidlich. Und das wird wohl ziemlich lange noch so bleiben. Viel wichtiger als die Frage, ob den Kristoffersens (Sieger am Sonntag), Fellers und Schwarz’ die Marcel-H.-Fragerei auf die Nerven geht, ist aber, wie der Konsument auf die Skipension des Annabergers reagiert. Und da gibt es rein quotentechnisch schon den ersten Einbruch: Im Gegensatz zum Vorjahr (824.000) sahen den zweiten Lauf heuer im Schnitt nur 654.000 Zuschauer auf ORF 1 - ein sattes Minus von 20Prozent. Weil Levi kein Klassiker, der Hang eher flach und die Erwartungshaltung ohne Hirscher gering ist, gab es die doppelte Ernüchterung - schlechtes ÖSV-Resultat, wenig Interesse.

Außerdem ist/war Hirscher der beste Beweis, dass Seriensiege einen Sport eher beflügeln denn lähmen können, weil von seinem Scheinwerferlicht viel Glanz für andere abgefallen ist. Jeder wollte Hirscher sehen - selbst im unspektakulären Levi war er immer für ein Spektakel gut. Aber zu diesem Image gehört auch Draufgängertum, Eloquenz und Persönlichkeit. Bei Damen-Seriensiegerin Mikaela Shiffrin etwa reißen Perfektionismus, Schnelligkeit und Erfolg nicht automatisch von den Sitzen. Jedenfalls nicht in Österreich.