Alles der Reihe nach. Beginnen wir bei den zahlreichen Zusammensetzungen mit Advent-. Mit oder ohne Fugen-s? Das ist die Frage. Das Fugen-s ist im österreichischen Deutsch überaus beliebt, heißt es doch Schweinsbraten, Zugsabteil und Gelenksentzündung, nicht Schweinebraten, Zugabteil und Gelenkentzündung. Aber wenn es um Weihnachten geht, ist alles anders. Das Fugen-s tritt in den Hintergrund. Wir sagen Adventkranz, Adventbrauch und Adventsonntag. Wenn ich im Supermarkt einen Adventskalender mit "s" sehe, weiß ich sofort: "Der kommt aus Deutschland."

Auch bei der Bezeichnung für den 26. Dezember lassen wir keine Kompromisse gelten. Das ist immer der Stephanitag, nie der Stephanstag. Der Heilige Diakon Stephanus, der erste christliche Märtyrer, gibt diesem Tag den Namen. In Österreich und in Bayern werden die Namenstage von Heiligen immer mit dem lateinischen Genitiv-i gebildet: Dies Santi Stefani. Daher Stefanitag. Gleiches gilt für den Josefitag (nicht Josefstag), für das Florianiprinzip (nicht Floriansprinzip) und für das Martinigansl (nicht Martinsgans). Daher wird in Österreich und in Bayern auch anders betont - nur weiter nördlich im deutschen Sprachraum liegt die Betonung auf der ersten Silbe.

Die Geschenke legen wir nach wie vor unter den schön geschmückten Christbaum, nicht unter den Weihnachtsbaum. Ein älterer Leser hat mir geschrieben: "In der NS-Zeit wurde versucht, das Wort Christbaum durch Weihnachtsbaum zu ersetzen - also bleiben wir doch beim Christbaum!" Und "O Tannenbaum"? Dieses Lied geht auf eine Weise aus dem 16. Jahrhundert zurück, die 1615 von Melchior Franck, einem sächsischen Komponisten, erstmals zitiert wurde. Es ist ein nicht-religiöses Lied mit einem eher dümmlichen Text: "O Tannenbaum, o Tannenbaum, / wie treu sind deine Blätter. / Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, / nein auch im Winter, wenn es schneit . . ."

In den katholischen Gebieten des deutschen Sprachraums gehen die Erwachsenen mit den Kindern auf Christkindlmärkte. Die Bezeichnung Weihnachtsmarkt war lange Zeit unüblich. Inzwischen werden die jüngeren Einrichtungen dieser Art so genannt. Das Wort "Weihnachtsmarkt" ist stärker kommerziell besetzt. Gleiches gilt für den "Weihnachtsmann". Der rot gekleidete Mann mit dem falschen Bart verteilt die Folder vor den Kaufhäusern, das Christkind legt die Geschenke unter den Christbaum.

Ein schwieriges Thema ist das Wort Weihnachten selbst. Wir sagen: "Was machst du zu Weihnachten?" Nur die Präposition "zu" lassen wir gelten. "An Weihnachten" ist so schlimm wie "Heiligabend" statt "Heiliger Abend". Es ist einer der seltenen Fälle, bei denen wir mit den Bayern nicht konform gehen. Sie feiern "an Weihnachten", wir feiern "zu Weihnachten". Bei uns ist Weihnachten ein Pluralwort. Im Singular wird das Wort ganz selten verwendet, wenn wir es tun, dann ist es eine gehobene Ausdrucksweise: "Ich wünsche allen meinen Lesern schon jetzt eine besinnliche Weihnacht!"