"Rumble in the Jungle", "Thrilla in Manila" - und nun "Clash of the Dunes"? Geht es nach den Veranstaltern, wird das Box-Duell zwischen Andy Ruiz und Anthony Joshua am Samstag (ab 22.45 Uhr/Dazn) in Saudi-Arabien ähnlich in die Geschichtsbücher eingehen wie Muhammad Alis Sieg über George Foreman in Zaire vor 45 Jahren beziehungsweise wie Alis Erfolg über Joe Frazier auf den Philippinen ein Jahr darauf.

Tatsächlich aber darf bezweifelt werden, dass man in einem halben Jahrhundert noch ähnlich ehrfurchtsvoll davon sprechen wird. Zum einen, weil es andere Zeiten nicht nur, aber eben auch im Boxen waren, zum anderen, weil weder das Charisma der Beteiligten noch das Narrativ - Alis Rückkehr nach der politisch bedingten Aberkennung seiner Titel, Rahmen- und äußere Bedingungen - zu vergleichen sind. Eines freilich eint die Veranstaltungen: der auf den ersten Blick ungewöhnliche Austragungsort. Vor dem "Rumble in the Jungle" war noch nie ein Boxkampf in Afrika ausgetragen worden, nun betritt man mit Saudi-Arabien Neuland. Damals wie heute spielt das Geld die Hauptrolle.

Das kann man im Fall Saudi-Arabiens, das international mit Argusaugen betrachtet wird, trotz allem legitim finden oder nicht, es ist jedenfalls ein Trend, der auch in anderen Sportarten schon länger zu beobachten ist. Und wenn schon über die sportliche Qualität des Kampfes kaum Prognosen möglich sind, so kann man immerhin schon jetzt davon ausgehen, dass es organisatorisch ein Spektakel wird, das seinesgleichen sucht, da werden sich die Scheichs nicht lumpen lassen. Doch vielleicht zählt genau dieses "Schöner, Größer, Teurer" zu den Problemen des Sports im Allgemeinen und des Schwergewichtsboxens im Besonderen. Denn dessen Krise wird sich nicht durch moderne Hallen und Hochglanz aufhalten lassen. Veranstaltungsorte, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden, machen das auch nicht besser.