Am Dienstag wird Thomas Gottschalk im Bayerischen Rundfunk sein "Servus" sagen. Nach nur vier Ausgaben tritt der vormalige langjährige "Wetten, dass . . ?"-Moderator als "Kaplan" einer Literatursendung auch schon wieder ab. Literatur und Gottschalk - da hätte man wohl kein krachend gescheitertes TV-Experiment gebraucht, um zu ahnen, dass es wohl keinen Bedarf geben wird. Wenig amüsant, der Präsentator schwach vorbereitet - so lauteten jedenfalls die Kritiken. Die Quoten stürzten nach dem Start (vor dem immerhin seine Scheidungsnachricht platzte) ins Bodenlose. Das ist eben das Problem, wenn Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung durch das Publikum nicht übereinstimmen. Mag schon sein, dass sich Gottschalk als großer Opernfreund und kultivierter Mensch sieht, das Publikum aber kennt und schätzt ihn als Spaßmacher, der sich jahrzehntelang für wirklich keinen Scherz zu dumm war. Das kann man eben nicht mehr sanieren. Daher kann man dem Mann nur raten, sein neues Projekt (das offenbar schon in der Pipeline ist) demgemäß auszusuchen. Dabei hatte Gottschalk selbst die Literatursendung bei ihrem Start im Frühjahr als seine "letzte Chance" bezeichnet. Wenn es damit nichts wird, müsse er eben zu den "Rosenheim-Cops", scherzte er. Ja, und? Warum auch nicht? Das entspricht wohl der Erwartung des Fan-Publikums eher, als einen auf Schmalspur-Literaturkenner im Rollkragenpulli zu machen. Und ist immer noch besser, als sich vom Publikum zur Türe hinaus tragen zu lassen.