In Rom ist man jetzt fein heraußen. Seit vergangenem Jahr lässt sich die italienische Hauptstadt ihren Christbaum vom Streamingdienst Netflix sponsern. Das ist eine Folge des "Spelacchio"-Skandals. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren stellte die Stadt Rom einen, wie Helmut Zilk es genannt hätte, "Häuslbesen" vor das Vittorio-Emmanuele-Denkmal. Die arme, zugegeben schüttere Tanne konnte sich des erbitterten Hohns der Römer daraufhin nicht erwehren. "Glatzkopf" oder "Gerupfter" ("Spelacchio") wurde sie hämisch betitelt.

Jetzt, wo sie eine fette Nadelbaumgönnung von Netflix bekommen, müssen sich die Römer freilich wieder woanders umschauen, um ihren Spott loszuwerden. Weit müssen sie nicht schauen, Mailand ist so nett und liefert heuer den Christbaum-Agent-Provocateur. Auch dieser wurde von einem Unternehmen gesponsert, aber nicht, wie man annehmen würde, von einem LED-Leuchten-Großhandel, sondern einer Supermarktkette. Die Fichtata Milanese ist ein kegelförmiges Eisenkonstrukt, das in kühlem Blau erstrahlt. Mancher Sarkastiker würde vielleicht sagen: "Endlich sieht man den schiachen Mailänder Dom nicht mehr." Ja, das ist ein Vorteil. Ein anderer ist der Mangel an Abfall. So eine Fichtentanne wirft ja einiges an Bewuchs ab, und in Italien hat man es eh nicht so mit der Müllabfuhr. Also ein recht pragmatischer Zugang zur Weihnachtsdeko. Das wird den Römern das Lachen noch vergehen, wenn sie knietief im gesponserten Nadelmüll stehen.