Das Ballett verzaubert durch Ästhetik und Schöngeist. Alles andere als magisch ist hingegen die Ausbildung zum Schwan an der Elite-Ballettschule: Die im April aufgekommenen Vorwürfe an die Ballettakademie der Wiener Staatsoper haben sich im nun veröffentlichten Bericht der eigens eingerichteten Sonderkommission bewahrheitet: Drill, Machtmissbrauch, Druck auf psychischer und physischer Ebene, fehlende Transparenz und fehlende medizinische Obsorge sind nur einige Kritikpunkte. Naturgemäß lassen sie die Frage aufkommen: Wer hat hier versagt? Sind es die Eltern? Ist es die Direktion der Ballettakademie, der künstlerische Leiter oder der Staatsopern-Direktor?

Eigentlich sind es alle. Ja, zu einem gewissen Teil sogar auch die Eltern, die entweder zu ehrgeizig oder nicht aufmerksam genug waren. Auf jeden Fall aber die drei Chefitäten der Staatsoper. Bisher hat keiner der drei seinen Hut und somit die Verantwortung auf sich genommen. Ist ja auch so drastisch gar nicht notwendig, denn in Kürze kommt es sowieso zu einer natürlichen Auslese: Dominique Meyer wechselt mit
1. März 2020 an die Mailänder Scala, Ballettchef Manuel Legris wird kommende Saison von Martin Schläpfer abgelöst. Und Simona Noja, die Direktorin der Ballettakademie? Ihre Zukunft ist ungewiss.

Damit liegt es nun an Bogdan Roscic: Mit Amtsantritt muss der neue Staatsoperndirektor die Ballettakademie ins 21. Jahrhundert führen. Denn der Rohrstock ist nichts für Schwäne.