Als der Videoschiedsrichter VAR grosso modo 2017 eingeführt wurde, war viel die Rede vom Öffnen der Büchse der Pandora. Spätestens jetzt, mit einem gewaltigen Fanaufstand im Mutterland des Fußballs, sehen sich alle Skeptiker - einst noch als Blockierer belächelt - bestätigt.

So kann es jedenfalls nicht weitergehen, da sind sich in England, wo es zuletzt an jedem Spieltag mehrere absurde Millimeter-Offside-Entscheidungen der Videoassistenten samt aberkannter Tore gegeben hat, alle einig - von Star-Trainer Jürgen Klopp abwärts bis zum kleinen Aston-Villa-Fan. Und daher kündigten die Regelhüter des Sports bereits eine Reform an, da das beinahe forensische Sezieren samt elendslanger Warterei nicht Sinn der Sache sei. Allerdings sollte allen Verantwortlichen klar sein, dass eine kosmetische Reform wenig bringen wird. Das hat man schon beim Handspiel gesehen: Nachdem der Videobeweis zuletzt bei den zwei wichtigsten Matches - WM- und Champions-League-Finale - seine Finger mit nicht wirklich vertretbaren Handsentscheidungen im Spiel hatte, musste letztlicht das ganze Regelwerk adaptiert werden, damit der VAR nicht komplett in der Beliebigkeit erstarrte.

Viel gebracht hat die für Verteidiger grob nachteilige Reform aber nicht wirklich. Und wie will man nun beim Abseits vorgehen, wo mitunter amateurhafte Linien von der Schulter gen Boden gezogen werden, um einen (vermeintlichen) Regelverstoß sichtbar zu machen? Was früher "im Zweifel für den Stürmer" respektive danach "kein Abseits bei gleicher Höhe" hieß, könnte bald regeltechnisch in eine Art "eindeutiges Offside" münden.

Oder man macht einfach den Strich der ominösen VAR-Kalibrierungslinie dicker, um so Spielraum zu schaffen, wie Klopp vorschlug. Oder man setzt den Abseits-Beweis komplett aus und delegiert die Causa zurück an den Assistenten vulgo Linienrichter, bis ein technisch ausgereiftes, automatisches System wie bei der Torlinientechnik geschaffen ist. Dann braucht auch niemand mehr mühsam Millimeter zu suchen.