Facebook steht ständig in berechtigter Kritik: Der Konzern von Mark Zuckerberg tue nicht genug gegen die Verbreitung von Propaganda und gefälschten Nachrichten, dem Datenschutz sei man auch nicht sonderlich zugetan. Den Nutzern scheint dies doch eher egal zu sein, denn der Umsatz wächst weiter. Vielleicht ist neben dem gelebten Voyeurismus manch einem auch die positive Eigenschaft des Sozialen Mediums bewusst geworden: das Teilen. Man gehe davon aus, man hätte seine Freunde - wie im realen Leben grundsätzlich ja auch - vorsorglich gewählt. Das würde bedeuten, man bliebe von Hasspostings, Mobbing und dergleichen ohnedies verschont. Die Weihnachts-Happy-Family-Fotos (mindestens zur Hälfte vorgetäuscht) und Urlaubsbilder (Neid, hör’ auf zu nagen!) kann man schnell einmal überscrollen, und dann stößt man auf Postings, die wirklich Bedeutung haben: Etwa eine Rollstuhlfahrerin, die mithilfe dieses Mediums äußerst professionell und sachlich Assistenten eine Stelle anbietet.

Auch jene Gruppen, die gegründet wurden, um entlaufene, zugelaufene und gefundene Tiere zu posten, sind für deren Besitzer oftmals die letzte Chance, ihre Streuner wiederzufinden. Aufgrund des häufigen Teilens der Postings wird die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs höher.

No-na-net, denkt sich der Wiener, und hat diese positive Begleiterscheinung auch gleich wieder vergessen. Der Hundebesitzer aber sicherlich nicht.