Gut, wir haben uns alle geirrt. Als Red Bull Salzburg vergangenen Sommer just vor der ersten Champions-League-Saison in der Dosen-Ära praktisch eine gesamte Mannschaft samt Trainer verkauft hat. Und es Neo-Trainer Jesse Marsch dennoch geschafft hat, in kurzer Zeit aus den verbliebenen Kräften und den vormaligen Edelreservisten eine so schlagkräftige Truppe zu formen. Das war schon sensationell. Und hat eben viele skeptische Journalisten und Fußballkenner eines Besseren belehrt.

Doch kein halbes Jahr nach dem Groß-Ausverkauf folgt schon der nächste Aderlass beim Serienmeister: Zunächst waren die Offensivstars Erling Haaland (zu Dortmund) und Takumi Minamino (nach Liverpool) aufgrund fixer Ausstiegsklauseln nicht zu halten gewesen; nun folgte der Verkauf von Anderson Niangbo zu KAA Gent, wiewohl dieser eigentlich vom WAC zurückbeordert worden war, um die Sturm-Lücke zu schließen; und auch Innenverteidiger Marin Pongracic kickt künftig in Deutschland beim VfL Wolfsburg. Zwar brechen am Donnerstag 27 Spieler zum Trainingslager nach Katar auf, ob die vom Verein hervorgestrichenen Spieler wie Mergim Berisha, Youngster Karim Adeyemi oder die Liefering-Talente Peter Pokorny, Nicolas Seiwald und Wallison schon die nötige Klasse haben, das wahrlich nicht tief gesteckte Ziel namens Europa-League-Titel anzugehen, darf bezweifelt werden. Aber man kann sich ja täuschen.