Fußballer taugen nicht immer als die besten Vorbilder. In manchen Fällen wäre es aber durchaus angezeigt, dass sich mehr Menschen an ihnen ein Beispiel nehmen. "Genauso selbstverständlich", sagte also Jordan Torunarigha, "wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion und Herkunft unter uns Spielern sind, sollte es auch in der Gesellschaft sein." Der Mann muss wissen, wovon er spricht. Als dunkelhäutiger, in Chemnitz geborener und aufgewachsener Jugendlicher hatte er früh gegen rassistische Anfeindungen zu kämpfen, im Dress von Hertha Berlin erlebte er solche erst am Dienstag im Cup-Achtelfinale bei Schalke 04. Weil er das nicht mehr hinnehmen wollte, schaltete er mit Unterstützung seines Vereins die Polizei ein, auch die Gelsenkirchener sagten zu, "alles daranzusetzen, die Angelegenheit aufzuklären", wie Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke, beteuerte.

Allerdings ist Tönnies’ Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Rassismus selbst angeschlagen, seit er sich im vergangenen Sommer in höchst abfälliger Weise gegen Afrikaner geäußert hatte. Zwar wirkte seine nachfolgende Entschuldigung ehrlich, doch der Schaden ist durch Äußerungen wie die seinen (sinngemäß müsse man nur Kraftwerke in Afrika bauen, dann würden "die aufhören, Bäume zu fällen und Kinder zu zeugen") schon angerichtet. Tönnies ist damit freilich nicht alleine. Quer durch alle europäischen Länder, Ligen und Vereine gibt es zwar immer wieder schöne Worte und nette Kampagnen gegen Diskriminierung, selbst nehmen es viele Granden des Fußballs aber damit nicht so genau. Die italienische Liga etwa ließ eigens ein Logo für den Anti-Rassismus-Kampf entwickeln, das dem nichts sehenden, nichts hörenden und nichts sagenden Affen nachempfunden ist - dabei sind es immer wieder ihre obersten Vertreter selbst, die Augen und Ohren verschlossen halten, wenn es darauf ankommt. Vielleicht sollte man sich doch besser an den Spielern selbst orientieren. Manchmal zumindest.