Ja, also. Oscars waren wieder. Für viele Menschen bedeutet das weniger die Würdigung von Filmkunst, sondern sie freuen sich, dass sie wieder einmal durch eine lange Bilderstrecke mit lächerlich teuren Roben klicken können und sich als Modeexperten gerieren können. Insofern ein recht schlaues Vorgehen von Schauspielerin Natalie Portman, die ihren gesellschaftspolitischen Kommentar diesmal auf ihrer Bekleidung trug. Auf dem Mantelrevers über ihrem Diorkleid waren Namen in Gold aufgestickt: die Namen jener Frauen, von denen sie und andere der Meinung waren, dass sie für den Regie-Oscar nominiert hätten werden sollen. Gefinkelt - so konnte dieser subtile Protest nun wirklich nicht übersehen werden.

Dass die Regie-Kategorie in diesem Jahr rein männlich besetzt war, blieb ein Makel der Academy Awards 2020. Aber dass sich die Akademie zumindest bemüht, modernen, aber nicht immer selbstverständlichen Gleichberechtigungsanforderungen nachzukommen, war doch immerhin zu würdigen.

So gewann mit Hildur Gudnadottir erstmals eine Frau den Oscar für die beste Filmmusik, Taika Waititi - Neuseeländer mit Maori-Wurzeln - wurde für das beste Drehbuch ausgezeichnet, Zack Gottsagen, ein Schauspieler mit Down-Syndrom, präsentierte einen Oscar und es gab sogar eine Rede, die sich für mehr Fleckviehfrauenrechte einsetzte (von Joaquin Phoenix). Ja, man kann immer mehr fordern. Aber man kann auch einmal ein Bemühen registrieren und akzeptieren.