Red Bull Salzburg sieht sich gerne als Österreichs Aushängeschild in der Fußballwelt - sportlich wie emotional. Wer die Champions League im Herbst in der Bullen-Arena miterlebt hat, bekam diesen Anspruch, das ganze Land hinter sich zu vereinen, hautnah präsentiert. Und zwar auf und abseits des Rasens. Die Auftritte in der Königsklasse haben tatsächlich für eine positive Grundstimmung gegenüber dem Serienmeister gesorgt, der in der Red-Bull-Ära bisher eher skeptisch beäugt respektive von Fans traditioneller Vereine mit blanker Verachtung gestraft wurde. (Von einer landesweiten Euphorie wie beim Europacup-Märchen von SV Salzburg anno 1993/94 war man aber ohnehin weit entfernt.)

Doch statt diesen alten Salzburger Fußballgeist mit dem Traum auf den Europa-League-Titel (Jesse Marsch: "Warum nicht?") neu zu entfachen, droht nach dem Verlust der Ligaführung gegen Frankfurt das Europacup-Aus - und obendrein, dass damit der ganze Kredit bei seinen (neugewonnenen) Fans verlustig geht.

Letzteres ist wahrscheinlich viel gefährlicher für den Klub als ein Ausscheiden gegen eine Größe wie Frankfurt, noch dazu in der Runde der letzten 32, die in neun Saisonen auch erst drei Mal überstanden werden konnte. Aber dann würde hängen bleiben, dass Salzburg nur deshalb so schwächelt, weil mit Erling Haaland und Takumi Minamino aus reiner Profitgier zwei Erfolgsgaranten verkauft wurden. Das stimmt zwar so verkürzt gar nicht - denn beide konnten aufgrund von Ausstiegsklauseln im Winter gar nicht gehalten werden -, doch das ist nicht relevant. Relevant ist für die Anhängerschar nur, dass Gleichwertiges nachkommt, wenn Hochkarätiges verkauft wird. Diesmal scheint in Salzburg dieses permanente Kunststück auf die Schnelle nicht gelungen zu sein.