Die Szene entstand am Donnerstag, aber sie entbehrte nicht einer gewissen Symbolkraft darüber hinaus – aber anders, als vom Internationalen Olympischen Komitee beabsichtigt. Die griechische Schauspielerin Xanthi Georgiou entzündete als "Hohe Priesterin" im antiken Olympia das Feuer, mit dem in 19 Wochen entgegen allen zur Vorsicht gemahnenden Stimmen die Sommerspiele in Tokio eröffnet werden sollen, knapp hundert mehr oder minder mit desinfizierten Händen verlesene Menschen aus dem engeren Zirkel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) oder dessen Umfeld winkten und lächelten, IOC-Präsident Thomas Bach wollte "ein starkes Bild der weltweiten Einheit der Menschen" gesehen haben.

Möglicherweise aber war auch Bach ge- oder besser verblendet vom Parabolspiegel, mit dessen Hilfe das Feuer entfacht wurde. Denn jenes der Begeisterung für Sport brennt mittlerweile vielerorts auf Sparflamme. Zu groß ist bei vielen die Angst vor einer eigenen Ansteckung oder einer weiteren Ausbreitung des Sars-CoV2-Virus einerseits, die Sorge ob der massiven Umstellungen im Alltag andererseits. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton fand es - wörtlich - "schockierend", dass die Formel 1 lange so tat, als mache der Erreger um sie einen Bogen, ehe auch sie unmittelbar vor dem in Melbourne geplanten Saisonauftakt vor ihm kapitulieren musste. Ein Mitarbeiter des McLaren-Teams ist Sars-CoV2-positiv, mehr als ein Dutzend Verdachtsfälle sind aufgetreten.

In anderen Sportarten steht der Betrieb schon länger still, und dort, wo bis zuletzt noch gesportelt wurde, schien es beinahe ausschließlich noch darum zu gehen, das lukrative Werkl mit Zwang am Laufen zu halten. Die Geldgeber will man halt nicht vergraulen. Und zumindest in dieser Hinsicht hatte Bach wohl recht: Zwar ist dies nicht das, das "die Menschen weltweit" eint - aber offenbar zumindest die großen Sportinstitutionen.