Es ist eine paradoxe Sache. Selten hätte man sich alleiner fühlen können. Aber dadurch, dass sich so viele jetzt gleichzeitig allein fühlen, ist man doch wieder nicht mehr so allein. Und auch Künstler helfen jetzt dabei, für ein unverhofftes Wir-Gefühl zu sorgen. James Blunt sorgte mit seinem Auftritt in der leeren Elbphilharmonie, der im Internet übertragen wurde, für Gänsehaut.

Vor allem die Mikro-Engagements sind es, die jetzt verbindende Wirkung haben: Starpianist Igor Levit gibt schon seit vergangener Woche jeden Abend ein "Hauskonzert" via Twitter. Rita Wilson, die mit Ehemann Tom Hanks infiziert in Australien in Quarantäne ist, rief dazu auf, sogenannte "Quarantunes" zu veröffentlichen, damit sie daraus eine Playlist auf Spotify zusammenstellen könnte. Einige folgten dem Aufruf, etwa Hiphop-Shootingstar Lizzo. Sie spielte mit ihrer Querflöte ein Mantra, das man für Meditation und Beruhigung verwenden könne. Auch Popstar Ariana Grande hatte ihren Fans etwas zu sagen, und zwar in aller Strenge einer Katastrophenerprobten (eines ihrer Konzerte war Ziel eines Anschlags in Manchester), dass man nun verantwortungsvoll sein soll und überhaupt: "Euer Hiphop-Yoga-Termin kann jetzt echt verdammt nochmal warten!"

Wie es ein Meme in den Sozialen Medien schon richtig erkannte: "Eure Großeltern wurden in einen Krieg einberufen. Ihr werdet nur auf eure Couch einberufen. Ihr schafft das."

Genau das wäre der Plan. Gemeinsam schaffen, obwohl man allein ist.