IOC-Boss Thomas Bach ist nicht zu beneiden. Während Formel 1, Uefa und Co. ihre heurigen Großveranstaltungen wegen der Corona-Krise verschoben haben, stehen das Komitee und die Organisatoren der Sommerspiele in Japan zunehmend als Buhmänner da. Zum einen wird ihr Nicht-Handeln angesichts der Infektionen als verantwortungslos betrachtet, zum anderen sehen andere Veranstalter nicht ein, warum man dem IOC eine Ausnahme gestatten sollte.

Nun stimmt es schon, wie IOC-Boss Thomas Bach am Montag in einem offenen Brief schrieb, dass eine Verschiebung eine "hochkomplexe Angelegenheit" wäre. Aber gilt das nicht auch für all die Fußballteams in den nationalen Ligen und im Europacup, deren Saison möglicherweise sogar vor dem Aus steht? Sind nicht auch die Motorrennsportler zu bangem Warten verdammt? Und was ist mit jenen Olympia-Qualifikanten, die aufgrund der Einschränkungen ihre Limits (und damit die Teilnahme) nicht erreichen werden? Abgesehen vom Gerechtigkeitsempfinden dieser Akteure bleibt die Frage der gesundheitlichen Bedrohung aufrecht. Selbst wenn Japan das Virus stoppen sollte, ist nicht ausgeschlossen, dass die Krankheit über die Hintertür - infizierte ausländische Fans etwa - eingeschleppt wird und es wieder zu einer Epidemie kommt. Das Olympia-Motto "United by Emotion" könnte dann ins Negative umschlagen: in Angst. Allein deswegen wird das IOC um eine Verschiebung nicht herumkommen. Es muss ja nicht gleich eine Absage sein.