Der Internetdienst Twitter hat ein seltsames Verhältnis zur Realität. Einerseits hat man relativ strenge Regeln gegen Falschmeldungen und sogenannte "Alternative Realitäten", andererseits ließ man bisher dem US-Präsidenten Donald Trump freie Hand, wenn es darum ging, sich seine eigene kleine Welt zurechtzubiegen. Nun, in Zeiten, in denen genau das Leben kosten kann, hat Twitter erstmals durchgegriffen. Allerdings nicht gegen Trump, sondern gegen den brasilianischen Staatspräsidenten und Rechtsaußen Jair Bolsonaro.

Twitter löschte zwei Tweets des Staatschefs, die dazu aufriefen, die Isolationsmaßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus zu ignorieren. Die Botschaften hätten gegen die bei Twitter geltenden Regeln verstoßen, erklärte das US-Unternehmen. Als rote Linie sieht Twitter, wenn jemand Botschaften absetzt, die den Informationen der Gesundheitsbehörden zu der Pandemie widersprächen und das Risiko einer Weiterverbreitung des Virus erhöhen könnten, erklärte Twitter.

Bolsonaro hatte eine "Hysterie" beklagt und die von dem Erreger ausgelöste Krankheit als "kleine Grippe" bezeichnet. Auf Videos war der Rechtspolitiker zu sehen, wie er durch die Straßen ging und Leute dazu aufrief, so weiterzumachen wie bisher. Das ist, wie man weiß, der Königsweg zu Todesfällen. Trump hatte in der ersten Phase der Pandemie ähnlich agiert: Man erinnere sich nur an seine Aussagen, das Virus sei "ein Hoax der Demokraten". Da war Twitter noch leise. Manche Dinge ändern sich schnell.