Die Liste ist wahrlich lang an Dingen, die man derzeit nicht machen kann. Aber was jetzt noch geht? Lesen zum Beispiel. Das war ein Grund dafür, dass die Absage des Bachmannpreis-Wettlesens, die vergangenen Freitag im Raum stand, doch für weitreichendes Unverständnis gesorgt hat. Ja, natürlich ist es nicht möglich, den Bewerb in seiner üblichen Form stattfinden zu lassen. Aber was spräche dagegen, die Lesungen via Videoschaltung zu veranstalten, der technische Aufwand müsste leicht zu stemmen sein.

Weil das sehr viele so sahen - unter anderem fünf der sieben Juroren, die einen "vehementen" Protestbrief geschrieben haben -, hat der ORF umgeschwenkt. Nun wird es doch eine digitale Ausgabe geben. Das hat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz Montag Abend mitgeteilt: Der Bachmann-Preis 2020 wird im Internet stattfinden, inklusive Schaltungen, digitalen Lesungen und den bekannten Preis-Kategorien.

Das war eine gute Entscheidung. Gerade die Literatur ist in diesen Tagen ein Medium, das vielen Menschen Trost und Ablenkung schenkt. Und die Literatur ist die Kunstform, die uns seit je her lehrt, wie man sich aus den kleinen und großen Apokalypsen auch wieder herausstrudelt. Weil sie die wohl derzeit am einfachsten zu vermittelnde Kunstform in diesen Isolationszeiten ist, sind die neuen Texte der Bachmannpreis-Kandidaten heuer besonders wertvoll. Und nicht zuletzt ziemlich sicher historisch.